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2018 03 gender14.03.2018 – Gehören Sie auch zu jenen Personen, die der Meinung sind, dass gendergerechte Sprache den Lesefluss stört? Dann haben Sie recht. Gendergerechte Sprache stört. Weil die meisten Menschen nicht daran gewohnt sind. Sie lässt stolpern. Und das ist ihr Sinn.

Dass Sprache lebt und sich mit der Zeit verändert, ist eigentlich kein Geheimnis. Sonst würden wir ja heute immer noch reden wie im Mittelalter. Oder zu Shakespeares Zeiten. Gesellschaft verändert Sprache. Und Sprache verändert Gesellschaft. Wir leben immer noch in einer Welt, in der überwiegend Männer das Sagen haben. Damit sich das ändert, braucht es eine Sprache, die es möglich macht, nicht ausschließlich von diesen zu sprechen, sondern alle Menschen in der Sprache sichtbar zu machen.

Stolpern erwünscht
Gendergerechte Sprache versucht einerseits ein Stolperstein zu sein, der auffordert, gewohnte und bequeme Wege zu verlassen und weiter zu denken. Andererseits schafft sie Raum für Menschen aller Geschlechter, die innerhalb des generischen Maskulinums –und damit sinnstiftend auch in unserer Gesellschaft – keinen Platz finden. Oft ist die Ästhetik der Sprache ein Argument – das „Gendern“ würde sie zerstören. Aber was eigentlich das Schöne an geschlechtergerechter Sprache ist, ist, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen können.

Es geht auch unbemerkt
Sie haben kein Faible für Stolpersteine? Gendergerechte Sprache geht auch ohne. Ein Test: Sind Sie in diesem Text bisher schon mal „gestolpert“? Hat Sie etwas aus dem Lesefluss gebracht? Nein? Schön! Denn alle Bezeichnungen sind neutral, und sogar das oftmals eher schwer zu eliminierende, aber eigentlich viel zu unspezifische „man“ kommt hier nicht vor.

Trauen Sie sich!
Gendergerechtes Formulieren macht Spaß. Ja, wirklich! Weil hier nichts falsch gemacht werden kann. Weil alles ein Ausprobieren und ein Weiterkommen ist. Streichen Sie den Satz „Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt“ endgültig aus Ihren Publikationen und entdecken Sie eine neue Form, die zu Ihrer Publikation passt.

Hier einige Tipps aus der Starmühler-Redaktion für den Start:
  • KollegInnen
    Am meisten Platz in Texten spart das Binnen-I. Und über „KollegInnen“ lässt sich genauso schnell drüber lesen wie über „Kollegen“.
  • Kolleginnen und Kollegen
    Wer nichts gegen Länge hat, kann weibliche und männliche Form ausschreiben – aber bitte die Damen zuerst!
  • Kolleg_innen oder Kolleg*innen
    Binarität ist was für Computer. Lassen wir sie hinter uns und machen Platz für alle Identitäten und Geschlechter. Zum Beispiel mit dem sogenannten GenderGap _ oder dem Sternchen *. Ein bisschen stolpern macht das Leben/Lesen aufregender.
  • Team
    Meist gibt es neutrale Formulierungen als Alternative zu gendernden Bezeichnungen. Warum also nicht auf diese zurückgreifen? Statt „KollegInnen“ lieber „Team“ sagen. Die Chefin oder den Chef lieber als „Geschäftsleitung“ bezeichnen. Statt „Patient_innen“ lieber „die Betroffenen“ verwenden. Werden Sie kreativ! Und statt „man“ ist meist die direkte Anrede (du, Sie, wir, ich) viel persönlicher und konkreter.

Text: Simone Steurer, bei Starmühler für Gender & Diversity zuständig
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