Der Journalismus ist doch tot... oder?


Von Sandra Gloning, Projektmanagement

11. März 2019 Als ich 2013 an der FH Joanneum in Graz mein Journalismus- und PR- Studium begonnen haben, waren wir 30 Studenten voller Hoffnung. Wir haben davon geträumt investigative Geschichten zu schreiben, unter zu tauchen, im Ausland Reportagen hinterher zu jagen und die Menschen über all die Missstände der Gesellschaft und der Welt aufzuklären.

Während das digitale Zeitalter mit Sicherheit für die Tageszeitungs-Branche viele Veränderungen mit sich bringt, die nicht nur positiv sind, bringt es für uns als Fachmagazin unglaubliche Möglichkeiten.
Sandra Gloning, Projektmanagement

Exkursion in die Realität?
In einer der ersten Wochen unseres Studiums machte unser Journalismus-Professor eine Exkursion nach Wien mit uns, um verschiedene Medienhäuser, Tageszeitungen und Chefredakteur_innen kennen zu lernen. Dort warf uns eine Vertreterin einer Tageszeitung ihre ernüchternde Wahrheit hin: „Wenn ich euch einen Rat geben kann, lernt was anderes. Der Journalismus ist so gut wie tot.“

Wandel des Medienkonsums
Und hier sind wir nun – Jahre später – in einer lebendigen Medienlandschaft, an dessen Todesbett wir nicht sitzen, sondern dessen Wandlung wir gerade mit erleben. Es stimmt, die Zeiten haben sich verändert. Die Medien sind schnelllebiger geworden und wir nehmen sie anders zu uns. Lange Reportagen, der ein Kollege im Ausland hinter her gejagt ist, konsumieren wir maximal am Wochenende.

Großes Potential
Aber gerade diese Wandlung schafft auch unglaublich viel Potential. In unseren Fachmedien merken wir immer mehr, dass wir für unser Online-Portal andere Geschichten auswählen, als wir es für unsere Printmagazine tun. Hier wollen wir den Diskurs, laden Vertreter der Branche dazu ein Kommentare zu schreiben und im Austausch zu sein. Wir können anhand der Daten sehen, welcher Content unsere Leser besonders interessiert und mit diesem Wissen arbeiten. Printjournalismus funktioniert anders. Nicht besser. Nicht schlechter. Nicht glorreicher oder ruhmreicher sondern schlicht und ergreifend anders.

Kommunikation in die Tiefe
Und mit diesem Wissen und der Kombination aus zwei Sprachrohren kann man eine Kommunikation schaffen, die breiter ist, mehr Personen anspricht und dabei nicht an Tiefe verliert. Wir können agiler und schneller auf Trends und Veränderungen reagieren und dadurch eine größere Tiefe für unsere Leser schaffen, die wir nicht erreichen könnten, wenn wir nur ein Printmagazin hätten, das 4 oder 8-mal jährlich erscheint.

Lust auf Information
Während das digitale Zeitalter mit Sicherheit für die Tageszeitungs-Branche viele Veränderungen mit sich bringt, die nicht nur positiv sind, bringt es für uns als Fachmagazin unglaubliche Möglichkeiten. Denn die Menschen möchten wissen, was passiert. Eine Umfrage von 2000 Österreichern im Jahr 2017 zeigte, dass 68 % aller Befragten sich mindestens zweimal täglich über die Nachrichten informierten. Das allgemeine Interesse an Nachrichten lag bei 95,5%.

Themenspezialisierung
Eine weitere Entwicklung, die sich aktuell abzeichnet, ist die Spezialisierung. Es ist für Leser einfacher geworden sich zu entscheiden, welche Themen sie interessieren und Medien genau in ihrem Interessensfeld zu konsumieren. Der Fachjournalimus erlebt einen Aufschwung, die Medien spezialisieren sich immer mehr auf eine Zielgruppe und bieten den Experten, die Themen, die sie lesen möchten.

Trust Issues
Doch welchem Medium kann man vertrauen? Laut dem Edelmann Trust Barometer war das Jahr 2018 das erste Jahr, in dem Medien als die wenigsten vertrauenswürdigen Institutionen weltweit angesehen werden. Die Studie wurde vor dem Fall Claas Relotius durchgeführt. Ein Vorfall, der gesondert besprochen werden sollte, der aber der Vertrauenswürdigkeit der Medien bestimmt nicht geholfen hat.

Medien Bewusstsein schaffen
Ich persönlich empfinde dieses Misstrauen der Bevölkerung nicht nur negativ. Natürlich ist es für uns Journalisten schwieriger geworden, Vertrauen zu bekommen. Aber unser Anspruch sollte ohnehin sein die Menschheit zu informieren. Ihnen die Wahrheit zu berichten. Denn in uns steckt immer noch ein motivierter Student, der eigentlich investigativ Probleme ans Licht zerren möchte. Für die Menschen ist es aber nicht schlecht, dass sie mal kurz innehalten und sich überlegen, welche Medien sie konsumieren. Dass sie kurz reflektieren, welchen Partnern sie vertrauen können und das Medien Bewusstsein sich wieder erhöht. Es gibt genug Quellen, die man mit dem Begriff „Fake News“ im Hinterkopf lesen sollte. Und wenn nur die Hälfte der Leser jetzt zweimal überlegen, welches Medium sie glauben, haben wir aus dieser Branchenkrise gewonnen. Denn es gibt auch noch genug Medienpartner, die sich das Vertrauen der Leser völlig verdient haben. Und wir sind einer davon.