Interne Kommunikation scheitert an Form und Zugang


Von Elena Starmühler, Geschäftsführung

29. Juli 2019 Seit Jahren liest man in Fachmedien: Die Ansprache der MitarbeiterInnen müsse sich ändern, da nachfolgende Generationen kürzer, schneller und vor allem digitaler kommunizieren. Panels auf Konferenzen sind voll damit und interne KommunikatorInnen klagen darüber, ihre Botschaften nicht mehr platzieren zu können. Hinzu kommt, dass Arbeitsplätze innerhalb eines Unternehmens vom Schreibtisch über Filiale bis Baustelle variieren. Die Form und der Zugang müssen sich verändern.

Wenn Facebook- oder WhatsApp-Gruppen das Hauptkommunikationsmittel der Mitarbeiter sind, dann sollte das nicht verteufelt, sondern lieber eine Lösung gefunden werden, wie eine ähnliche Form über das Intranet abgebildet werden kann.
Elena Starmühler, Geschäftsführung

MitarbeiterInnen sind der mit Abstand wichtigste Part eines Unternehmens. Ziel jeder Kommunikationsabteilung muss sein, alle MitarbeiterInnen bestmöglich und so ausreichend wie nötig über die Entwicklungen im Unternehmen, Vorgänge oder Abläufe zu informieren. Transparente Kommunikation inkludiert, bestärkt und mobilisiert. Es ist schlicht eines essentielles Tool, um die Loyalität zu steigern. Bestehende MitarbeiterInnen sind die besten und mit die wichtigsten MarkenbotschafterInnen. Erst vor Kurzem veröffentlichten zwei MitarbeiterInnen der Telekom Deutschland ein eigens produziertes Video in dem sie ihren Arbeitgeber besingen. Auf YouTube hat das Video über 37.000 Aufrufe (Stand: 29.07.2019). Ungewöhnlich, aber nicht überraschend. Die Telekom legt seit Jahren einen Fokus auf die MitarbeiterInnenzufriedenheit. Ein Teil davon: Kommunikation. Dabei wird die Form den Entwicklungen angepasst.

Gute Kommunikation ist MitarbeiterInnenmotivation
Bei Magenta in Österreich setzt man schon lange auf digitale Informationsvermittlung. Das Print-Heft wurde gleich komplett abgeschafft, was vor allem in Zeiten von mobilen Arbeitsplätzen und Clean-Desk-Policies absolut Sinn macht. Lev Ratner ist Pressesprecher bei Magenta Österreich und bestätigt: „Wir kommunizieren intern über das Intranet, also nur noch digital. Ansonsten wäre gar nicht zu gewährleisten alle zu erreichen.“

Knapp die Hälfte aller Beschäftigen in Österreich (allgemein, nicht bei Magenta) ist zwischen 25 und 44 Jahren alt (Quelle: WKO). Eine Gruppe mit einer besonders hohen digitalen Affinität. Die Kommunikation untereinander erfolgt verstärkt über Messenger-Dienste oder in Gruppen innerhalb von Social Media Plattformen. Content wird digital konsumiert, sei es News oder Event-Ankündigungen. Schulungen laufen über Webinare und Abhilfe für DIY-Projekte gibt YouTube. Hinzu kommen die New Work-Entwicklungen, wie beim Beispiel Magenta Österreich. Arbeitsmodelle der Zukunft sind nicht zwingend verknüpft mit festen Büroarbeitsplätzen. Das erschwert die Verteilung von Magazinen.

Ein gedrucktes MitarbeiterInnenmagazin ist also nicht für alle MitarbeiterInnen die beste Option. Dennoch ist es eine sinnvolle Variante kompakt Informationen zu vermitteln. Allerdings muss das Format nicht ausschließlich gedruckt und quartalsweise erscheinen. Aus einer Heftproduktion könnten knapp drei Monate digitaler Content entstehen. Wenn man es nur möchte und vor allem von Beginn der Produktion an mit bedenkt. Mobile und digitale MitarbeiterInnenkommunikation muss ergo Teil der Marketingplanung sein.

Das Internet geht nicht mehr weg
Das ändert sich nicht. Das Internet bleibt. Wir alle arbeiten bald von überall. Und weiter: Wir alle sind es gewohnt ständig überall an Informationen zu kommen. Es ist wichtig sich das vor Augen zu halten.

Interne Kommunikation muss daher längst andere Wege als ausschließlich gedruckte Hefte gehen. Das bedeutet nicht, dass Print stirbt. Im Gegenteil. Es hat sogar sehr viel Relevanz, wie zB für Jahresrückblicke, Quartalsergebnisse usw. Aber kurzfristige, schnelle, aktuelle Kommunikation muss im Intranet, in Chatgruppen oder eben dort und in jener Form stattfinden, wie MitarbeiterInnen sie auch konsumieren. Und wenn es Facebook- oder WhatsApp-Gruppen sind, dann sollte das nicht verteufelt, sondern lieber eine Lösung gefunden werden, wie eine ähnliche Form über das Intranet abgebildet werden kann.

Progressivität (durch neuartige Herangehensweisen bei Kommunikationsformaten) und Inklusion (durch Zugang zu Information für alle) sind zwei Werte, die Arbeitgebenden nicht nur verstärkte Loyalität einbringen sondern auch attraktiv für New Potentials machen. Ein nicht unwichtiger Nebeneffekt.